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Tageweise Gedanken
2. Oktober
Du bist eine Burg. Mit festen, hohen Mauern. Mit der ganzen Einsamkeit dieser hohen, trutzigen Türme. - Und während ich sie mir vorstelle, diese kalten, rauhen Steine, lächelt mein Herz - ich liebe dich!
29. September
Ich suche täglich deine Seele. Die Stelle deines Herzens, an der du ganz ohne Abwehr bist. Warum nur fällt es uns oft so leicht, in vollendeter Alltäglichkeit wegzublenden, dass unser wahres Sein so viel tiefere Schönheit besitzt?
30. August
Hätte ich doch jeden Tag Worte, dir meine Liebe zu sagen. Fände ich doch mit jedem Atemzug Kraft, dir mein Herz zu zeigen. Könnte ich immer wieder nur deinen Namen sagen, den ich so lange schon wie ein Geheimnis auf meinen Lippen trage.
19. August
Wärst du, wäre ich, wären unsere Leben nicht so ganz plötzlich ineinander verfallen, hätte ich nie die Kraft deiner Seele erfahren, nie die Macht deines Geistes, die Weite deiner Phantasie. Wärst du, wäre ich andere Wege gegangen, in meinem Herzen leuchtete nicht dieses immer blaue Licht.
10. März
Manchmal im Leben zählt einzig dieser winzige Augenblick, in dem man beschließt zu springen, sich fallen zu lassen, wo man ohne jede Sicherheit die Arme ausbreitet, um zu fliegen.
Ich weiß weder, woher dieses Gefühl gekommen ist, noch, wohin es uns führen wird. Dass es in seiner Gewalt so außergewöhnlich ist, genügt, um ihm auf jedem Weg zu folgen.
3. März
Dann einen Augenblick lang innehalten und ganz und gar fühlen, was gerade passiert.
Ich wusste bisher nicht, dass die Liebe ein so makelloses Glück sein kann.
Etwas ganz Großes lass uns errichten. Etwas, das jede Grenze überwindet, alle Gesetze außer Kraft setzt.
27. Februar
Wie ein riesige Trommel dröhnt der ganze See, wenn sich das Eis in der Sonne ausdehnt und immer wieder in einem atemberaubenden, gewaltig krachenden Knistern bricht.
Heute wollen mir meine Worte nicht gehorchen. Sie schwirren wirr durch meinen Kopf, purzeln sinnlos auf die Tastatur.
23. Februar
Dass ich eine Ewigkeit damit verbracht habe, dein Bild zu zeichnen, jeden Millimeter deines Gesichts aus meiner Erinnerung hervorzuholen, ihm auf diesem Papier Leben einzuhauchen, dich so noch einmal zu lieben, das habe ich dir nicht gesagt.
19. Februar
Einen kleinen Zauber im Herzen tragen. Lächelnd sehen, wie er zaghaft ein paar Schritte wagt.
Eine Reise in ein völlig unbekanntes Land antreten. Einer Sehnsucht nach Weite folgen.
Die Suche nach Schönheit im Herzen behalten. Der Poesie deiner Seele an die entlegensten Orte folgen.
17. Februar
Du hast immer gewollt, dass ich wieder frei werde. Es war dein größter Wunsch, den Weg zu finden auf dem wir Freunde werden könnten. Ich habe es bis heute nicht geschafft, diese Mauern um mein Herz wirklich und dauerhaft einzureißen.
Eine offene weite Landschaft deren Wege über diesen oder jenen Pfad alle zu mir führen. Wenn immer auch nur ein Mensch begonnen hat, einen Fuß auf einen dieser Zuwege zu setzen, habe ich mit jedem einzelnen seiner Schritte einen weiteren Stein zu einer neuen Wand gefügt.
9. Februar
Wenn ich in der Schönheit der Natur an dieser so unwirklichen Stelle inmitten des zu Eis gewordenen Sees verweile, wenn ich in Gedanken bei dir bin, weil dies der Ort ist, an dem ich deine Nähe spüre, dann frage ich mich unbewusst, wie mein Leben aussehen wird, in einigen Jahren.
Werde ich ihn noch spüren, diesen Schmerz, der heute in jedem Winkel meines Herzens brennt? Wirst du dann noch immer hier sein, in jedem meiner Gedanken? Wird mein Leben irgendwann wieder sein, wie vor dem Tag, an dem du für immer gegangen bist?
Dass die Erinnerung an dich, dass meine Liebe irgendwann verblassen könnte, dass dies vielleicht der Preis sein soll, der dann den Schmerz verstummen lässt, quält mich mehr, als ich in Worten sagen kann.
5. Februar
Dieser winzige vollkommene Moment eines Augenblicks des Glücks. Wie eine Vorahnung von Frieden.
Ich hoffe so, dass der Tod die Unendlichkeit dieses winzigen Moments bedeutet. Einmal wirklich angekommen sein. Ein so vollkommenes Glück verspüren, dass es bereits nicht mehr wahrnehmbar ist. Die definitive Abwesenheit jeder Relativität.
Wir kannten uns bereits bevor wir uns vor Jahren begegnet sind. Dieses seltsame Empfinden teilten wir. Und ich weiß in meinem Herzen so absolut sicher, dass wir uns eines Tages wiedersehen. Vielleicht dann, wenn wir beide wieder unter demselben Stern geboren werden? Ganz, ganz leise tröstet dieser Gedanke.
4. Februar
Eine leise, traurig schöne Melodie hat sich in meinem Herzen verfangen und begleitet mein Leben.
Als du mich damals ansprachst, dort am See, als wir dort lange saßen und sprachen, als kennten wir uns bereits seit ewiger Kindheit, da hat sie mich fast geängstigt, diese Nähe, die sich zwanglos, ganz selbstverständlich zwischen uns ergab.
So vieles hätte ich dir noch sagen wollen, dir für so vieles auch danken.
3. Februar
Ich gehe wieder all die Wege, die wir gemeinsam gingen und spüre dich neben mir. So unerreichbar nah.
Nacht für Nacht halte ich dein sterbendes Gesicht in meinen Händen und frage nach deiner Angst.
Wie soll ich denen, die dies nicht verstehen, erklären, dass ich nun, da ein Teil meiner Seele mit dir gegangen ist, nicht mehr dieselbe bin, die sie kannten, dass es mich schmerzt, sie daran leiden zu sehen, dass ich daran aber nichts ändern kann?
2. Februar
Es ängstigt mich, so gar keine Bodenhaftung mehr zu spüren. Aber wirklich dagegen anzugehen vermag ich nicht. Ich fliege durch meine eigenen Gedanken. Die Realität hat jede Bedeutung verloren. Einzig der Moment, in dem ein Gefühl entsteht, hat noch Bestand.
Dass diese diffuse Wahrnehmung deiner Nähe nun für alle Zeit die Vollendung meiner Liebe ist, will ich noch nicht wirklich akzeptieren.
30. Januar
Dann plötzlich den Blick heben und fühlen, wie der Zauber des verschneiten Waldes bis tief in mein Herz wirkt.
Die Realität vorbeiziehen lassen wie einen Traum, dem Kleinen die Bedeutung des Großen überlassen.
28. Januar
Manchmal frage ich mich, ob denn all das, was mir so auf der Hand zu liegen scheint, wirklich so klar ist. Ob es da nicht vielleicht in meiner Wahrnehmung einen entscheidenden Fehler gibt. Den alles entscheidenden Fehler sozusagen, dessen Erkenntnis, wie von selbst, ganz plötzlich die Knoten meines Lebens, meiner Seele lösen würde.
25. Januar
Was für ein seltsamer, unbeschreiblicher Zustand, nichts mehr zu geben zu haben. In einem solchen Ausmaß überhaupt nichts mehr, dass ich nicht einmal mehr etwas annehmen kann, ohne dabei noch weiter an Kraft zu verlieren.
Ich war so sicher, dich eines Tages wiederzusehen. Und ich wusste so sicher, dass du dies genauso weißt.
Es zerreißt mein Bewusstsein, dass der Tod so plötzlich so real werden kann. Ich bin ob meiner geradezu kindlichen Naivität beschämt. Dass ich so leichtfertig mit unserer Zeit umgehen konnte, lässt mich schier verzweifeln.
20. Januar
Als sich die Sonne erhob, so still und gewaltig aus der Tiefe dieses unendlichen Landes aufstieg, unaufhaltsam die Welt mit ihrem Leuchten flutete, als für einen endlosen Augenblick nur dieses Wunder Bedeutung besaß, verstummten alle Fragen nach Sinn und Unsinn, schwiegen die Gedanken, denn die Seele wusste nun lächelnd um jede Antwort.
19. Januar
Jetzt, wo die Sonne lacht, erstrahlt dein Lächeln am Himmel. In meinem Herzen kauert trostlos Furcht, du könntest dort einsam sein.
16. Januar
Manchmal definiert sich Glück dann plötzlich ganz neu. Arbeit. Ich habe gerade einen der Aufträge angenommen, die ich in anderen Zeiten, wenn es irgendwie geht, ablehne. Und plötzlich empfinde ich so etwas wie Glück bei dem Gedanken, mich nun tagelang mit diesem Text auseinandersetzen zu können.
15. Januar
12:52 - Hätte man mir vor einer Woche gesagt, dass ich heute wieder hier sitze und an dich schreibe, ich hätte laut aufgelacht. Und hätte man mir gesagt, dass mir heute wieder sterbenselend zumute sei, weil ich unentwegt an dich denke und dich vermisse, dann hätte ich sicher bekundet, dieses Stadium hätte ich zusammen mit dem Tagebuch abgeschlossen.
Vielleicht kennen wir uns aus einem früheren Leben. Vom ersten Augenblick an, schon nach den allerersten flüchtigen Begegnungen, war zwischen uns eine Nähe, vor der ich mich anfangs sogar fürchtete.
Und auch jetzt noch, nachdem wir uns 7 Monate lang nicht gesehen haben, empfinde ich diese Nähe unvermindert. Was ist das für ein Gefühl? Ist das einfach Liebe?
Wir werden uns niemals wiedersehen. Niemals. Ich kann dieses Wort noch so oft wiederholen, ich erfasse seinen Sinn nicht. Da ist eine riesige Wand aus Schmerz, die verhindert, dass diese Bedeutung mein Herz erreicht.
14. Januar
23:12 - Als du über diesen See gingst und mich so geheimnisvoll ansahst. Als ich mich fragte, ob ich DICH in einem fremden Gesicht erkenne. Als mich eine kalte Hand erfasste, deren Macht mir unerklärlich war. - Da warst du gerade gestorben. Weggegangen aus diesem begreifbaren Dasein.
Ich weiß nun, dass dies UNSER Abschied war. Und verstehe nun den Grund meines Entsetzens.
Dass aber die Verwandtschaft unserer Seelen so weit ging, diesen Augenblick zu ermöglichen, lässt mich auf Knien danken für jeden Schmerz, den meine Liebe zu dir bedeutete.
17:50 - Die Tage seit Samstag vergehen wie in einem bösen Traum. Einem der Träume, in dem ich laufe und laufe, in Panik fliehe, aber im Grunde gar nicht weiß, was eigentlich passiert.
Zum ersten Mal fällt mir auf, wie unbeschwert mein bisheriges Leben verlaufen ist, wie frei von wirklichen Katastrophen.
Jetzt, wo du nie wieder zurück kommen wirst, spüre ich, wie einen Faustschlag, dass ich dich immer noch liebe und all die Zeit geliebt habe, dass ich in all der Zeit einzig gelernt hatte, damit und ohne deine Nähe zu leben.
11. Januar
Meine Welt steht still. Es ist, als hätte mein Leben einfach angehalten, seit gestern, seit ich weiß, dass du gestorben bist, Klaudia.
Alles, was ich dir je geben konnte, waren meine Worte. Deinetwegen habe ich vor 5 Monaten diese Seite begonnen. Es war meine Art, mit dir zu sprechen.
Und jetzt, nachdem ich, was dich betrifft, so lange geschwiegen habe. Jetzt, wo ich endlich dachte, die Zeit sei gekommen, dich um deine Freundschaft bitten zu können. Jetzt, wo ich hoffte, dir das Maß an Liebe schenken zu können, das du dir wünschtest. Jetzt ist dies zuletzt der einzige Ort, an dem ich dir wieder und weiterhin das geben kann, was du an mir wahrhaftig liebtest: meine Worte.
Du bist fort. Für immer. In meinen Gedanken war ich nie einen Augenblick fern von dir. Und ich werde dich nie vergessen. Niemals. Und es tröstet mich, ganz tief in meinem Herzen zu wissen, dass du darum wusstest.
Wie aber soll ich mit meiner Kleinheit leben? Der Kleinheit meiner Seele, die mich dir den Rücken kehren ließ, als du meine übergroße Liebe nicht erwidern konntest?
Ich bin so froh, zu wissen, dass du dich verliebt hast, in eine Frau, die dich so liebt, dass sie diesen schrecklichen Weg gemeinsam mit dir bis zu seinem Ende gegangen ist.
Ich war heute nicht an deinem Sarg, weil es nicht mein Platz ist, dort bei deiner Familie, deinen Freunden und Kollegen.
Morgen früh, sobald der Tag erwacht, werde ich zu dir kommen und wir werden wieder miteinander sprechen, so wie damals einen unserer stillen Dialoge führen.
10. Januar
Das Schweigen zu brechen ist schwieriger als ich es mir gedacht hätte. Seltsamerweise ist es eine Frage der Übung, dem Gefühl Raum zu bieten, sich in Worte gehüllt in die Welt zu bewegen.
Ungelenk hier nun wieder ein paar erste Schritte. Begleitet von der Hoffnung, dort draußen auf Wärme zu treffen...
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