kurtzgeschichten.de Eva

Tagebuch einer irrtümlichen Liebe

10. Tag: Der zweite Montag danach

Ich sehne mich nach dir. Es ist grauenhaft. Ich war mir so sicher, das Schlimmste längst durchlitten zu haben. Gestern hatte ich bereits Mühe, mir dein Gesicht richtig vorzustellen. Und heute quält mich Sehnsucht. Und wie eine Geisteskrankheit beherrscht die irrationale Gewissheit mein Denken, dass du dich melden wirst. Und wenn es noch Wochen dauert. Du wirst dich bei mir melden. Und während der Gedanke "Du liebst mich" von rechts nach links durch meinen Kopf zieht, stürmt von der anderen Seite die Gewissheit herbei, dass es zwischen uns keine Verbindung geben kann! Es ist so grausam. Unendlich grausam. Aber du wirst dich genauso wenig ändern können und vor allem wollen, wie mir dies möglich ist. Der bloße Gedanke daran, in dein perfektes Leben eingeknetet zu sein, schnürt mir den Atem ab. Und doch schmerzt mein ganzer Körper. Meine Muskeln haben sich zu harten kleinen Fasersträngen verdichtet, die sich wie ein Panzer über meinen Rücken ziehen. Jede Bewegung ist eine quälende Tortur.

Falls du wirklich nichts mehr von mir willst, dann melde dich bitte nicht bei mir. Das ganze Drama geht sonst von vorne los. Die gesamte Distanz, die ich seit nun einer Woche zwischen uns gebracht habe, ist beim Gedanken an einen zärtlichen Augenblick, eine kleine Geste von dir, auf nichts zusammengeschrumpft. Ruf bitte, bitte jetzt nicht an!

Zurück zu mir muss ich kommen. Muss meinen Blick weg lenken von deinen guten und schönen Zügen. Muss mich darauf konzentrieren, wie du mit mir an jenem Freitag (und nicht nur da) umgesprungen bist. Du hast mich hingehalten. Du hast dein Ego an mir genährt. Du hast mich benutzt, um deine Beziehungsprobleme abzuladen. Du hast mich ohne ein Wort des Bedauerns, ohne eine einzige nähere Erklärung aus deinem Leben gekickt. Du bist nicht mit einem Wort noch einmal darauf eingegangen, dass du mich an jenem Sonntag vor jenem Freitag unsäglich verletzt hast. Dass ich es dir geschrieben habe, dass du mich verletzt hast, war dir schon Grund genug, mich unter "Lästig" wegzubuchen.

Und jetzt sage ich dir und ich sage es mir: Das werde ich dir nicht einfach verzeihen! Das werde ich nicht unter den Tisch fallen lassen. Das werde ich mir nicht schön reden. Meinen letzten Brief hast du erst nach deinem NEIN erhalten. Auch darauf hast du keine Antwort gefunden.

Wir hätten so leicht Freunde werden können. Wir hätten uns sogar in den Bereichen, die wir gemeinsam haben, sehr viel geben können. Warum konntest du mir keine klare Grenze setzen? Warum hast du immer wieder zugelassen, dass ich dir meine Liebe antrage? Ein NEIN auf dieser Ebene hätte alles zwischen uns gerettet. Aber wahrscheinlich haben wir beide vor allem unsere jeweilige Situation völlig unterschätzt. Du meinen Ausnahmezustand. Ich deine Überforderung.

Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung. Alle Rechte an Texten und Bildern liegen bei den Autoren.
Erste Ausgabe am 1. August 2002 - Zuletzt geändert am 28.02.2006
All Rights Reserved. © 2002 www.kurtzgeschichten.de