kurtzgeschichten.de Eva

Tagebuch einer irrtümlichen Liebe

14. Tag: Der zweite Freitag danach

Du kannst dir ein Leben mit mir nicht vorstellen. Und ich mir eines mit dir ebenso wenig. Warum also trage ich in mir diese felsenfeste Überzeugung, dass wir beide eines Tages zusammen sein werden? Was ist das? Nur Borniertheit? Irgendeine krankhafte Haltung? Oder weiß mein Unterbewusstsein Dinge, die wir beide nicht wahrhaben wollen? Wenn dieser Zustand andauert, sollte ich vielleicht einen Therapeuten aufsuchen... Aber will ich überhaupt, dass irgendein Fremder versucht, diese Unerklärlichkeit für mich einzuschätzen? Einzig die Zeit kann dieses Rätsel lösen. Es wird sich ganz einfach zeigen müssen, was an dieser Gewissheit wahr ist.

Du hast mir mein Buch zurückgeschickt. Zusammen mit drei Zeilen, dass es nun also doch so gekommen sei, wie ich es immer befürchtet hätte. Und mit der Bitte, dir dein Buch ebenso zu schicken. Natürlich rätsele ich nun über diesen Zeilen und versuche zwischen ihnen zu hören, wie dein Empfinden für mich aussieht.

Ich bin jedenfalls froh, nun Gelegenheit zu haben, ein paar Worte an dich zu richten, die als Reaktion auf dein Schreiben mein mir selbst gegebenes Versprechen nicht brechen, nur noch zu reagieren und das Agieren einzig in deine Hand zu legen. Vielleicht wirst du auf meine Zeilen antworten? Und wenn nicht, so hatte ich wenigstens Gelegenheit, in Würde Abschied zu nehmen.

Nun weißt du, dass ich dir nichts nachtrage. Dass ich unsere Gespräche immer vermissen werde. Und dass ich dir nur das Allerbeste wünsche. Falls ich dir etwas bedeute, werde ich eines Tages wieder von dir hören. Und falls nicht, so ist meine Situation dadurch geklärt und ich muss den Tag nicht fürchten, an dem wir uns irgendwann zufällig begegnen.

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Erste Ausgabe am 1. August 2002 - Zuletzt geändert am 28.02.2006
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