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Tagebuch einer irrtümlichen Liebe 38. Tag Heute empfinde ich zum ersten Mal Mitleid mit mir selbst. Ein Gefühl, das ich nur ungern zulasse. Aber trotzdem muss ich einmal fragen dürfen, warum ausgerechnet mir ein so unglückliches Gefühl vorgesehen war? Wenn ich die letzten Jahre vorüberziehen lasse, dann war da doch bereits mehr Elend als meiner Seele gut tat. Mehr Tränen, als dass ein Lachen sie hätte vergessen machen können. Das einzige, was sich in diesen nunmehr 5 Wochen, die seit jenem Freitag bereits vergangen sind, verändert hat, ist, dass die Hoffnung aus meinem Herzen gezogen ist. Diese Hoffnung, die mir immer wieder die Verzweiflung brachte. Verzweiflung darüber, sie selbst könne sich als Trugschluss und als unbegründet erweisen. Ohne diese Hoffnung ist Stille eingekehrt. Ein ruhiges, fast schon gelassenes Aushalten dieses wahnhaften Zustandes. Alles andere ist allerdings völlig gleich geblieben. Ich denke unentwegt an sie. Fast möchte ich sagen, ich denke mit ihr. In dem Sinne, wie ich dabei mit ihr spreche. Warum kann ich nicht einfach unter Menschen gehen, ohne dass sich sofort eine Frau in mein Leben drängt? Was strahle ich denn zur Zeit aus, das Menschen glauben macht, ich könne auch sie noch in meinem Leben ertragen. Ich trage bereits genug Last auf meinen Schultern. Und mein Herz ist übervoll mit Trauer. Der einzige Zustand annähernden Glücks, den ich empfinden kann, ist das Alleinsein in freier Natur. Dort fühle ich so etwas wie Freude. Wie erklärt es sich, dass immer dann, wenn ich zutiefst traurig bin, fremde Menschen ohne mein Zutun meine Grenzen übertreten und eine Nähe aufbauen, die ich gar nicht will? Vielleicht weil ich die Streitmächte, die sonst über das gesamte Territorium meines Innenlebens auf strategischen Punkte verteilt postiert waren, in der innersten Festung meiner Seele zusammengezogen habe. Das übrige Land liegt schutzlos da. Und so dringt ein, wer immer vorbeizieht. Sich, da ohne Widerstand eingelassen, willkommen wähnend. Nicht ahnend, welche düstre Macht in diesem Land gerade regiert. |
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Erste Ausgabe am 1. August 2002 - Zuletzt geändert am 28.02.2006 All Rights Reserved. © 2002 www.kurtzgeschichten.de |