kurtzgeschichten.de Eva

Tagebuch einer irrtümlichen Liebe

45. Tag - Die Wende

Jetzt ist es wohl vollbracht... Gestern Abend um 22 Uhr habe ich dich angerufen. Du klangst völlig fertig und einen Augenblick lang war ich versucht, von meinem Vorhaben abzusehen. Dann habe ich dir doch gesagt, dass ich deine Art, mit mir zu verfahren, nicht in Ordnung finde. Du meintest, du wüsstest nicht wovon ich spreche. Was dann auch immer geschehen sein mag, du hast plötzlich ohne Vorwarnung aufgelegt. Einen Moment lang wollte ich es dabei belassen. Ich rief dann doch nach einigen Minuten wieder an. Ich wollte nicht schon wieder eine solche sprachlose Situation durchleben, die im Grunde völlig ungeklärt ist und einen Status Quo aufrecht erhält, den ich genau jetzt überwinden wollte.

Du gingst tatsächlich wieder an den Apparat. Ich sagte dir, dass ich keinen Streit suche, dass ich einzig und allein mein Leben wieder in Ordnung bringen will, und dass ich dich bitte, mich in Zukunft einfach zu lassen. Nur einfach von mir zu lassen. Ich will nur meiner Wege ziehen. Das Gespräch ging nur einige kurze Sätze hin und her. Du meintest noch, du hättest mir doch gesagt, dass du für mich freundschaftlich empfindest. Ich sagte dir dazu nur, dass ich das ja auch wisse. Und ich bin froh, nicht mehr gesagt zu haben. Es fiel mir im Grunde auch erst anschließend ein, dass es auch für eine Freundschaft nicht in Ordnung ist, wie du mit mir verfährst. Diese völlige Unverbindlichkeit. Vielleicht bist du dir meiner aber auf der einen Seite sehr sicher gewesen und vielleicht war ich dir auf der anderen Seite im Grunde auch so relativ unwichtig, dass du mich einfach wie eine Schachfigur über dein Spielfeld geschoben hast. Und ich habe mich auch noch über jeden deiner Züge gefreut. Ihn als mir geltende Aufmerksamkeit missverstanden.

Ich erinnere mich sehr gut an jenen Tag, als du mich abends anrufen wolltest. Ich hatte dich um nichts gebeten. Du hast von dir aus gesagt, du wolltest dich am Abend noch einmal melden. Gegen 20 Uhr riefst du von unterwegs an und teiltest mir mit, du seiest noch bei einem Freund, wolltest nun aber in der nächsten Viertelstunde aufbrechen und mich dann anrufen. Hatte ich dich darum gebeten? Ich sagte dennoch okay. Und ich freute mich mal wieder über die mir zuteil gewordene Aufmerksamkeit. Saß also da und erwartete deinen Anruf. Um 23 Uhr kam ich dann zu der Erkenntnis, dass ich nun wohl langsam schlafen sollte. Zumal der Anruf ja zumindest in meinem Sinne nicht nur wenige Minuten dauern sollte. Ich wollte dir erst zuhause auf deinen Anrufbeantworter sprechen, wählte dann aber doch deine Handynummer, um sicher zu sein, dass du mich nicht mal wieder aus dem ersten Tiefschlaf klingeln würdest. Du warst gerade im Aufzug. Ziemlich angetrunken (was ich an sich nicht weiter schlimm finde) und teiltest mir als erstes mit, du müsstest nun etwas essen und hättest auch nur maximal noch 30 Minuten Zeit. Ich war sprachlos. Sagte dir dann, dass ich eigentlich gar nicht mehr mit dir sprechen wollte, da ich nun zu Bett ginge. Schlug dir vor, deinen Rausch auszuschlafen und beendete das Gespräch.

Und das war eine Woche nach deiner Rückmeldung, die mit den Worten begann: "Verzeih mir alles, was ich dir je angetan habe..." Ich frage mich immer noch, was du damit eigentlich meintest.

Und am letzten Samstag hast du vormittags mindestens drei mal zu mir gesagt, du würdest dich später noch einmal melden. Auch da hatte ich dich um nichts gebeten. Ich sagte dir aber, dass ich mich sehr freuen würde, später noch einmal von dir zu hören. Natürlich habe ich nichts mehr von dir gehört. Und jetzt am Sonntagabend um 22 Uhr weißt du also nicht was ich meine, wenn ich dir sage, dass ich die Art nicht mag, wie du mit mir verfährst. Any way, denn auch wenn du es wirklich nicht mehr wissen solltest, ändert das doch eigentlich nichts: Die vollendete Unverbindlichkeit.

Und nun hoffe ich, du hältst dein Wort und lässt mich endlich allein weiterziehen. Du tust mir nichts Gutes und tust mir nicht gut. Du bedienst dich meiner Gefühle. Findest du das nicht selbst abstoßend?

Und heute empfinde ich schon wieder großes Mitleid mit dir. Es geht dir nicht gut. Überhaupt nicht. Dieser Zustand hat allerdings nichts mit mir zu tun. Und das was du von mir an Hilfe brauchst, kann ich dir nicht geben.

Bitte halte dein Wort und lass mich in Frieden. Du hast es versprochen. Und schon jetzt krampft sich mein Magen zusammen, weil ich ahne, dass du eines Tages wieder am Telefon sein kannst. Du wirst getrunken haben. Du wirst weinen. Du wirst dir selber leid tun. Du wirst mich brauchen, damit ich mir deine Nöte mit anderen Frauen anhöre. Und ich werde niemals die notwendige Härte besitzen, dich einfach zum Teufel zu schicken. Wäre ich dir doch nie begegnet! Könnte ich dich doch wenigstens hassen. Wenigstens Zorn empfinden. Stattdessen quält mich Mitleid!

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Erste Ausgabe am 1. August 2002 - Zuletzt geändert am 28.02.2006
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