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Tagebuch einer irrtümlichen Liebe 75. Tag Heute habe ich den 90.Tag in meinem Kalender vermerkt. Denn an diesem Tag wird es keinen Kann- sondern einen Muss-Eintrag in dieses seltsame Tagebuch geben: Den letzten, finalen Eintrag. Über die Impression und das Gefühl mit dem ich dieses Kapitel meines Lebens dann abschließen werde. Ich frage mich idiotischerweise bereits heute, was oder besser, wie ich dann wohl fühlen werde. Es kommt mir heute noch regelrecht unmöglich vor, den Monolog an dich einzustellen. Aber sicher wird das, was ich mir dann anfangs verbieten muss, schnell zur Gewohnheit werden. Wie sehr sich mein Leben in diesen letzten Wochen doch verändert hat. Wie vieles ich unternommen und erlebt habe. Wie oft ich hier an 'meiner' Stelle im Wald gesessen, die Sonne genossen, gelesen und geschrieben habe. Und immer warst du in meinen Gedanken präsent. Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen ich dich locker und entspannt anrufen könnte. Von der felsenfesten Gewissheit getragen, meinen Liebeswahn nun überwunden zu haben. Aber wie lange dieser Gemütszustand in deinem Beisein aufrechtzuerhalten ist, habe ich ja bereits einmal ausprobiert. Genau bis zu dem Augenblick, in dem ich dich zum ersten Mal wirklich anschaue. Wenn ich die Augen öffne für das, was hinter der Fassade liegt. Ist dir eigentlich aufgefallen, dass du mich nie wirklich angesehen hast? Von Anfang bis Ende nicht. Dabei hatte ich nie den Eindruck, dass du Menschen nicht ansiehst, wenn du mit ihnen sprichst. Und damals, vor über zwei Jahren, da hast du mich doch auch angesehen. Ich kann mich gut daran erinnern. Wieso also jetzt nicht? Und auch bereits dann nicht, als wir uns lediglich Samstags früh zum Spaziergang trafen. Hallo + Spazieren gehen + Tschüß. Da war doch noch gar nichts komisch, verfahren oder vertrackt. Wieso hast du mich damals schon nicht angesehen? Du hast immer nur weggeschaut. Es kann doch nicht sein, dass du dich mit mir getroffen hast, obwohl ich dich überhaupt nicht interessierte? Aber vielleicht ist es ganz anders. Du hast dich wahrscheinlich nie für mich als Individuum interessiert, sondern immer nur für den Teil in mir, der dir ähnlich ist. Indem ich dir diesen Teil von mir erklärte, konntest du dich besser verstehen, näher zu dir finden. Das war es auch, was du meintest mit "It's amazing, how you can speak right to my heart". Nur dass nicht ich dein Herz erreichte, nein, ich habe dir die Türen geöffnet, durch die hindurch du dann selbst zu deinem Herzen finden konntest. Wenigstens in Momenten. Glaube mir, ich hätte dir auf diesem - deinem - Weg gerne weiterhin geholfen. Auch ohne zu fragen, wo dabei denn nun mein eigener Nutzen liegt. Tja, damals lag er in der Illusion, dir etwas zu bedeuten. |
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Erste Ausgabe am 1. August 2002 - Zuletzt geändert am 28.02.2006 All Rights Reserved. © 2002 www.kurtzgeschichten.de |