kurtzgeschichten.de Eva
Augenstein

Fragmente

29. August

Blau

In dem Augenblick, als damals mein Blick auf diesen blauen Stein fiel, der da im regennassen Laub leuchtete, blau wie deine Augen, in dem Augenblick drang an die Oberfläche meines Bewusstseins, dass ich mich verliebt hatte. Ich nahm ihn in die Hand, den Augenstein und hielt ihn fest umschlossen, als könne dieses Halten und gleichzeitige Verbergen den Schrecken verschwinden machen, der wie ein blauer Blitz durch meine Adern zuckte.

Ich besitze ihn heute noch. Er ist nicht mehr annähernd so blau wie an diesem regnerischen Morgen, als er mir Offenbarung wurde. Ein blasses Blau nur noch. Graublau. Symbol eines großen Gefühls, das den Weg antreten musste in die Tiefen der Erinnerung.

Und heute liegt hier nun dieser zweite Stein. Blau wie sein Vorgänger. Wie kam er exakt an diese Stelle? Ein Teil von mir möchte ihn aufnehmen und weit hinausschleudern in den See. Ein anderer Teil will ihn an mich nehmen, ihn fest umschlossen nach Hause tragen und ihn neben seinen Bruder legen.

Ist auch er ein Symbol? Für meine Weigerung dich zu vergessen? Dich nicht loszulassen? Wenigstens die Erinnerung an dich zu bewahren?

Er soll ihn kennen lernen, seinen Bruder. Vielleicht können die beiden mir leise flüsternd das ganze Geheimnis verraten...

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Erste Ausgabe am 1. August 2002 - Zuletzt geändert am 28.02.2006
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